Letzte Event-Updates

Gepostet am Aktualisiert am

cropped-fghj.jpg

queer – pervers – arbeitsscheu

Es ist nötig, an dem neuen Weg zu arbeiten. Dies ist unverhältnismäßig schwer,
aber durchaus nicht ohne Hoffnung
“ (W.I.Lenin)
We want and must say that we are all housewives, we are all prostitutes, and we are all gay,
because as long as we accept these divisions, and think that we are something better […] we accept the logic of the master.
“ (Silvia Federici)

In crisis, who cares!?

Gepostet am Aktualisiert am

In crisis, who cares!?

 

1. Mai 2020 – Tag der Arbeit

Auch im Jahr 2020, auch in den sogenannten Zeiten von Corona, gehen wir raus am 1. Mai, dem Tag der Arbeit – der produktiven/mehrwertproduzierenden Arbeit, der reproduktiven/systemstabilisierenden Arbeit, der Care,- Pflege,- und Sorgearbeit uvm.

Vor den Krankenhäusern der Stadt wollen wir den Fokus auf die Arbeit richten, die täglich verrichtet und die häufig als Care-Arbeit, als Pflege- und Sorgearbeit, bezeichnet wird. Es geht also um die Tätigkeiten, die nun in der Corona-Krise als sog. systemrelevant entdeckt wurden und deren Ausüber*innen plötzlich in einer Anerkennungsflut aus allabendlichem Applaus von den Balkonen seelig umhertreiben sollen. Das gemeinsame Klatschen am Abend soll den Dank und Anerkennung für die Arbeiten ausdrücken, welche immer, und nicht nur in der aktuellen Krise, essentiell für die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse sind, dabei aber zu den prekärsten, also den am schlechtesten entlohnten und am wenigsten anerkannten, gehören.

Hinter den aktuellen Debatten über einmalige Bonuszahlungen für Kranken- und Pflegepersonal verschwindet aber allzu häufig auch, dass die Corona-Pandemie nur wegen der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen sie sich ausbreitet, so extrem krisenhaft verläuft: tagtäglich können wir erleben, wie in den Entscheidungen über Maßnahmen und Lockerungen ebendieser ein Kompromiss zwischen marktwirtschaftlichem Interesse und Menschenleben gesucht wird, um die Pandemie soweit einzudämmen, dass das durch kapitalisierende Privatisierung durchrationalisierte Gesundheitssystem nicht zu sehr überlastet wird.

Neoliberalismus und die Folgen der fortschreitenden Entstaatlichung

Berufe wie Alten- und Krankenpfleger*innen und/oder Arzthelfer*innen sind nicht einfach unterbezahlt, sie sind in ebendieses marode Gesundheitssystem eingebettet, in dem Arbeitsbedingungen und soziale Anforderungen der pflegerischen Tätigkeiten, zwangsläufig auseinander driften müssen: schließlich soll die Versorgung von Menschen rentabel gehalten werden in Kliniken, die Unternehmen sind und deren Jahresbilanz  am Ende stimmen muss.

Dieser Umstand führt dazu, dass es für pflegebedürftige oder kranke Menschen in dieser Gesellschaft keine Garantie gibt jederzeit, wenn notwendig, angemessen versorgt zu sein:  Patient*innen werden oft regelreicht „abgefertigt“, damit Praxen rentabel bleiben, gleichzeitig ermöglicht ein Zwei-Klassen-Krankenversicherungssystem die ausgiebige Privatsprechstunde am Nachmittag für all diejenigen, die es sich leisten können während die anderen fünf Monate auf einen Termin bei der*dem Fachärzt*in warten.

(Zudem ist die Zahl der Kliniken und Krankenhäuser in Deutschland seit Jahren rückläufig. Waren es 1991 noch rund 2.400, zählt das Statistische Bundesamt aktuell noch 1.942 Kliniken. Die privaten Träger konnten dabei ihren Anteil von ca. 22 Prozent, im Jahr 2000 auf rund 37 Prozent der Häuser im Jahr 2017 ausbauen. Auch die Zahl der Krankenhausbetten und die Bettenauslastung verringern sich stetig. Insgesamt stellten Kliniken im Jahr 2016 genau 501.475 Betten zur Verfügung – das waren über 2.500 Betten weniger als noch 2012.)

Wenn somit die Gesundheitsversorgung dem Interesse des Kapitals unterworfen ist, sind die Folgen des neoliberalen Sozialstaatsabbaus also auch im Gesundheitssystem nicht von der Hand zu weisen.

Oftmals werden dann einzelne Krankenpfleger*innen, Arzthelfer*innen oder auch Ärzt*innen individuell für diese Misere verantwortlich gemacht. Die Arbeitsbedingungen, die diese „Care-worker“ jedoch tagtäglich vorfinden sind ein permanenter Mangelzustand, gekennzeichnet von schlechter Bezahlung, Unterbesetzung und durchrationalisierter Zeitökonomie. Das Problem ist also ein eindeutig strukturelles, welches aber auf dem Rücken der einzelnen Arbeiter*innen ausgetragen werden soll. Diese sollen einerseits immer mehr Patient*innen gleichzeitig versorgen können, was paradoxerweise so scheint als habe die fordistische Fabrik das Gesundheitssystem unterlaufen, und andererseits emphatisch, einfühlsam und individuell auf all diese Patient*innen eingehen.

Doch der momentane Zustand kommt nicht von ungefähr: Er ist einer allgemeinen krisenhaften Struktur des Kapitalismus geschuldet. Diese wird in der aktuellen Debatte um das Gesundheitssystem nicht ausreichend beleuchtet.

Gesellschaftliche (Re)produktion und Hausfrauisierung

Spätestens seit den Hausfrauendebatten in den 1960er und 1970er Jahren ist klar, dass arbeitsbedingte Ausbeutungsverhältnisse notwendig auch eine geschlechtliche Dimension beinhalten. Anschließend an die Analysen feministischer Antikapitalistinnen wie Rosa Luxemburg, Clara Zetkin und Alexandra Kollontai sollte in diesen Debatten sichtbar gemacht werden, dass die im „privaten“ Haushalt zu verrichtende Haus- und Sorgearbeit das Resultat einer geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung ist, die durchaus eine systematische Funktion für die (Re-)Produktion des Kapitals darstellt. Denn durch die Etablierung einer unsichtbaren, abgetrennten Reproduktionssphäre wird unbezahlte Arbeit von meist immer noch ausschließlich Frauen* geleistet, die unter anderem die notwendige (Re-)Produktion von Arbeitskraft beinhaltet und damit die funktionale Basis für die Kapitalakkumulation darstellt. Ohne dass für mein Essen, Trinken, meine Pflege, die Erziehung meiner Kinder usw. gesorgt ist, ist es unmöglich, produktive Arbeit zu leisten.

Dieser Prozess der strukturellen Abwertung lebenswichtiger und kapitalakkumulierender Tätigkeiten wurde vielfach auch als Hausfrauisierung der (geschlechtsspezifischen) Arbeit beschrieben. Denn es wird nicht nur die Arbeit jener Frauen*, die keinen Beruf ausüben, hausfrauisiert, sondern auch die Arbeit derjenigen Frauen*, die sich in der Loharbeitssphäre bewegen: Bei gleicher Lohnarbeit erhalten Frauen* in Relation zu Männern* in Deutschland bis heute eine wesentlich geringere Entlohnung, was häufig damit begründet wird, dass der Lohn der Frau* nur additiv zu dem des Mannes* sei. Beispiele dafür sind Ehegattensplitting und die sog. gender pay gap, aber auch die mangelnden staatlichen, d.h. außerfamiliären Betreuungsangebote für kleine Kinder, was u.a. Mütter zur Aufgabe ihrer Karriere/ihres Berufes veranlasst. Kategorien wie „geringfügig Beschäftigte“ oder „Leichtlohngruppe“ wurden für sogenannte Hausfrauen* erfunden, die zeitweise auch lohnarbeiten gehen (wollen oder müssen). Da viele Arbeitgeber*innen davon ausgehen, dass Frauen* wegen einer eventuellen Schwangerschaft ihren Job nicht mehr ausführen könnten, bekommen sie häufig nur temporäre Arbeitsverträge. Hinzukommt, dass ihnen immer noch geringere Chancen auf Führungspositionen zugeschrieben werden. Frauen* werden auf dem Lohnarbeitsmarkt also immer noch strukturell diskriminiert und systematisch abgewertet oder ausgegrenzt und somit in die Privatsphäre zurückgedrängt, in der sie oftmals unbezahlte (Re-)Produktionsarbeit, ohne jeglichen Anspruch auf Arbeitsrechte verrichten.

Hausfrauisierung und Neoliberalismus

Das Modell der Hausfrauisierung kann innerhalb des Neoliberalismus jedoch auch auf den männlichen Arbeitnehmer* angewendet werden. Denn der Prozess der Haufrauisierung geht mit dem Prozess der Neoliberalisierung Hand in Hand. Betroffen sind davon nicht mehr nur Frauen*, sondern alle Arbeitsverhältnisse – unbefristete Verträge und tarifliche Absicherungen nehmen systematisch ab, während Flexibilität, Verantwortungsbewusstsein und emotionale Qualitäten zu Leitlinien in der Arbeitswelt werden. Vor allem aber muss Hausfrauisierung in den Zusammenhang mit den Zuständen unseres gegenwärtigen Gesundheits- und Versorgungssystems gestellt werden. Dieses stellt nämlich so gesehen die hausfrauisierte Arbeitssphäre schlechthin dar. Nicht nur sind 75 Prozent der Stellen in den aktuell sogenannten systemrelevanten Berufen von Frauen* besetzt: all diese Berufe, werden immer noch immer als typisch „weibliche“ angesehen und „können“ genau deshalb schlecht entlohnt werden.

Corona und Arbeitskampf – Corona heißt der Virus, Kapitalismus ist die Krise

Die gesellschaftliche (Re)produktion verlief also schon vor Corona krisenhaft. Die gesellschaftlichen Narrationen, die den Menschen nun das Gefühl vermitteln ihre existenziellen Grundlage sei durch Corona nicht mehr gesichert, stellt sich angesichts des kapitalistischen Normalvollzuges und des täglich spürbaren Umbau- und Abbauprozesses des sog. Sozialstaates als blanker Hohn heraus. Über die Umverteilung von Reichtum wird zwar gesprochen, aber es folgen keine nennenswerten materiellen Konsequenzen aus diesen Debatten. Ganz genau so, wie es in einem kapitalistischen System erwartbar ist.

Trotzdem sehen wir vor allem in Bezug auf die sogenannten systemrelevanten, weiblich konnotierten Tätigkeiten eine quasi coronabedingte Möglichkeit, die wir nicht ungenutzt stehen lassen wollen. Die eingangs erwähnten symbolpolitischen Praktiken der Solidaritätsbekundungen mit Pflegekräften, aber auch die vielen nachbarschaftlich organisierten Hilfsinitiativen zeugen von einem sich vielleicht neu ausbildenden gesellschaftlichen Bewusstsein.

An dieses Bewusstsein muss in Zukunft nicht zuletzt auch gesellschaftlich angeknüpft werden. Denn die beinahe Verunmöglichung von eigens organisierten Arbeitskämpfen in (re)produktiven Tätigkeitsfeldern, die mit der enormen dauerhaften sozialen Verantwortung bei gleichzeitiger Prekarität der Arbeiter*innen einhergeht, macht zivilgesellschaftlichen Protest und einen solidarischen Arbeitskampf für einen Ausweg aus dieser mehrdimensionalen Krise unumgänglich.

Der 1. Mai ist der beste Tag, um unsere eigene Geschichte zu erzählen, und wir sind die einzigen, die darüber entscheiden, wie und wann wir sie erzählen.

In diesem Sinne auf zum revolutionären 1. Mai, dem Tag der re-produktiven Arbeit und den Klassenkampf organisieren!

Fangen wir an: Klassenkampf kennt keinen Shutdown!

Eure Krise: Nicht auf unserem Rücken!

Gegen Prekarität, Privatisierung und Zwei-Klassen-Medizin

 

#FeministischKämpfen – am 8. März, davor und danach!

Gepostet am

8. März: Frauenkampftag!
Jin Jiyan Azadi!

Beteiligt Euch an den Aktionen rund um den 8. März:
Tretet in den Streik und kommt zu den Aktionen vom 6.-8. März des Frankfurter Frauenstreikbündnisses
Kommt zur „We reclaim the Night“ Demo am 7. März in Frankfurt!

Queere Ringvorlesung sagt fantifa Vortrag zu Religionskritik am Beispiel des „Islamischen Feminimus“ ab, um „rassistische Klima“ nicht zu „begünstigen“

Gepostet am Aktualisiert am

Am 28.01.2020 sollte im Rahmen der Queeren Ringvorlesung Queergehört der Uni Frankfurt unser Vortrag Emanzipation und Religion – Queerfeminismus und „Islamischer Feminismus“ stattfinden. Nachdem uns die Queere Ringvorlesung explizit für diesen Vortrag eingeladen hatte, wurde er von ihnen kurzerhand wieder aus dem Programm gestrichen. Die Gründe der Ausladung haben sie in einer knappen Mail formuliert. Neben einem Unbehagen hinsichtlich unserer Religionskritik, wurde diese Ausladung auch mit einer Polarisierung und Gefährdung muslimischer und jüdischer Studierender am Campus begründet. Das Orga-Team der Queeren Ringvorlesung hat diese Entscheidung weder öffentlich gemacht, noch auf unsere Rückmeldung zu diesen Vorwürfen geantwortet. Im Folgenden dokumentieren wir die Ausladungsmail und unsere unbeantwortete Rückfrage, um einer Debatte über die religiöse Aufladung von Politik dennoch Raum zu geben.

 

 

Von: Queere Ringvorlesung (Uni Frankfurt) <queergehoert@gmail.com>
An: fantifa.frankfurt <fantifa_frankfurt@riseup.net>
Datum: 21.10.2019

Dear fantifa,

vielen Dank für die Zusendung des Abstracts. In Absprachen innerhalb des Teams wurden bereits sehr früh Bedenken geäußert, ob sich der Vortrag nicht zu einseitig auf „den“ Islam fokussieren würde, statt das Thema Religion und Emanzipation auf einer allgemeineren Ebene zu behandeln. Unseres Wissens nach wurden diese Bedenken auch an euch weitergegeben und es kam eine Zusage zurück, den Vortrag zu überarbeiten. Diese Bedenken wurden jedoch auch durch das neue Abstract nicht beseitigt.
Bei erneutem Durchgehen unseres Programms ist uns nochmal bewusst geworden, dass ein Vortrag zu „Religion und Emanzipation“ in diesem Semester thematisch aus dem Rahmen fällt und wir das Gefühl haben, dem Thema mit dem jetzigen Programm nicht gerecht werden zu können. Es ist eine spannende Auseinandersetzung, jedoch sehen wir unter aktuellen gesellschaftspolitischen Zuständen, den vermehrten Drohungen und Übergriffen, dass hier mit mehr Vorsicht von unserer Seite zu agieren ist. Die Goethe Uni wird zu einem immer unsicheren Campus für jüdische und muslimische Studierende. Als Queere Ringvorlesung, die von ihrem Beginn an versucht, ein mit Marginalisierten solidarisches und machtkritisches Programm anzubieten, sehen wir uns in der Verantwortung das rassistische Klima nicht zu begünstigen. Aus den oben genannten Gründen haben wir uns nach reiflichen Überlegungen nun entschieden unsere Einladung für dieses Semester zurückzuziehen. Falls Ihr Redebedarf habt, könnt Ihr Euch gerne bei uns melden.

Liebe Grüße

[…]

 

Von: fantifa_frankfurt@riseup.net
An: Queere Ringvorlesung (Uni Frankfurt) <queergehoert@gmail.com>
Datum: 05.11.2019

Liebes Team der Queeren Ringvorlesung,

danke für Eure Mail. Wir haben keinen „Redebedarf“, würden aber hiermit gern ein paar Dinge klarstellen und Euch um Antwort und politische Positionierung bitten.

Zu den scheinbar formalen Aspekten Eurer Absage unseres Vortrages:

Wir haben Euch zu keinem Zeitpunkt in unserer Kommunikation eine Zusage gemacht, unser Abstract oder unseren Vortrag noch einmal inhaltlich „zu überarbeiten“. Mitgeteilt, in welcher Hinsicht er genau überarbeitet hätte werden sollen, damit er Euch gefällt, habt ihr uns auch nicht. Anzunehmen, unser Vortrag fokussiere sich „zu einseitig auf ‚den‘ Islam“ (was auch immer damit Eurerseits genau gemeint ist) kann – da ihr unseren Vortrag noch nicht kennt – von uns nur als haltlose Unterstellung, wir seien grundsätzlich undifferenziert gegen „den Islam“/“die“ Muslim_innen usw. wahrgenommen werden. Referent_innen einzuladen und ihnen dann – nachdem ihre Veranstaltung bereits beworben wurde – inhaltlich Vorgaben zu ihrem Vortrag zu geben, halten wir für eine äußerst fragwürdige Praxis. Darüber hinaus ist es nicht nur unfair, sondern vor allem unsolidarisch. Also das Gegenteil von dem, was ihr für Euch beansprucht zu sein: Solidarisch mit queeren, feministischen Gruppen und Positionen. Eine Praxis, in der sich (queer)feministische Aktivist_innen nicht länger in politischen Konflikten auseindersetzen, sondern der eigenen Meinung unpassend erscheinenden Positionen nur noch ignorieren, Aktivist_innen othern oder sich politisch ausschweigen halten wir für fatal. Politische Konflikte nicht mit Argumenten, sondern mit falscher Höflichkeit zu begegnen, ist das Ende jeder solidarischen Praxis.

Der andere formale Aspekt betrifft Euer zweites, scheinbar pragmatisches also vermeintlich a-politisches Argument, dass unser Vortrag „in diesem Semester thematisch aus dem Rahmen“ falle und ihr das Gefühl habt „dem Thema mit dem jetzigen Programm nicht gerecht werden zu können“. Dass ihr unseren Standpunkt zum Thema ‚Religion und Emanzipation‘ scheinbar nicht teilt, ist für uns nachvollziehbar. Dass ihr vorschiebt, jetzt plötzlich festgestellt zu haben, unser Vortrag würde ‚thematisch aus dem Rahmen fallen‘, ist es aber nicht. Warum gerade unser Vortrag einen thematischen Rahmen sprengen sollte, der ‚Chem-Sex‘, ‚Psychiatriekritik‘ und ‚Rassismus, Sexismus und andere Scheiße‘ unter einen Hut bringt, entzieht sich zumindest unserem Verständnis. Zu Eurem äußerst weit gefassten Semesterthema ‚Perspektiven der Selbstbestimmung, eines selbstbestimmten Lebens und gesellschaftlichen, sowie strukturellen Einschränkungen dessen‘ scheint uns nämlich im Gegenteil die Perspektive derjenigen LGBTQIs*, die sich seit Jahrzehnten bis heute versuchen aus islamistischer Unterdrückung, Folter und Mord zu befreien (Stichwort Emanzipation und „selbstbestimmtes Leben“) sowie die Beleuchtung der „strukturellen Einschränkungen“ (Stichwort religiöse Unterdrückung am Bsp. der islamischen Religion) besonders gut zu passen.

Zu den etwas offeneren, politischeren Aspekten Eurer Absage:

In eurer Mail lasst ihr uns wissen, dass es vor dem Hintergrund der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Zustände und der Angriffe auf „muslimische und jüdische Studierende“ am Campus unverantworlich sei, unserem Vortrag eine Bühne zu geben. Ihr unterstellt uns, das herrschende „rassistische Klima […] zu begünstigen“. Das ist nicht nur eine infame Unterstellung, es ist auch angesichts real existierender rassistischer und antisemitischer Übergriffe, antisemitischen Terrors, antizionistischer Weltverschwörung, religiöser Unterdrückung von LGBTQIs weltweit usw. absolut fahrlässig, einen Vortrag mit solchen Taten ins Verhältnis zu setzen. Indem ihr proklamiert, „[a]ls Queere Ringvorlesung, […] ein mit Marginalisierten solidarisches und machtkritisches Programm anzubieten“ und im selben Moment unseren Vortrag mit der Begründung, er befördere Rassismus, ablehnt, macht ihr klar, dass wir in Euren Augen mit „Marginalisierten“ nicht solidarisch seien und von Euch auch als „Nicht-Marginalisierte“ eingeordnet werden. Beides ist falsch, beides könnt ihr nicht wissen, beides ist ein problematisches Othering. Ihr scheint es vorzuziehen, uns fremdzuidentifizieren, statt Euch inhaltlich mit unseren Argumenten auseinanderzusetzen.

Wir sind uns darüber im Klaren, dass die Thematik der Religionskritik aktuell kontrovers ist, wenngleich wir das nicht nachvollziehen können, da sie einmal ein Kernelement linker Gesellschaftskritik war. Vielleicht scheiden sich dann an dieser Stelle linke und liberale Haltungen des (Queer)Feminismus. Wir wissen auch, dass Religionskritik am Beispiel der islamischen Religion noch kontroverser ist. Betrachtet man die internationalen Kämpfe um Selbstbestimmung, gegen religiöse Unterdrückung von Frauen und LGBTQI* (z.B. im Iran, Irak, Syrien, Türkei oder auch in muslimischen Communities in Deutschland) ist es auch hier unverständlich, warum sich die islamische Religion nicht, so wie bspw. das Christentum, in seiner grundsätzlichen patriarchalen und misygynen Verfasstheit kritisieren lassen sollte. Und selbst wenn ihr eine Kritik des islamischen Feminismus nicht (mit)tragen wolltet, fragen wir uns, warum ihr alles daran tut, kritische Perspektiven in Bezug auf das islamische Patriarchat zu verhindern? Dies können wir nur als Aufkündigung der Solidarität mit allen gegen islamistische Unterdrückung kämpfenden LGBTQI*s verstehen. Zu unterstellen, ein religionskritischer Vortrag sei bereits rassistisch oder gar rassistische Gewalt, macht zudem die Erfahrungen und den Aktivismus von POCs, die sich von religiösen Zuschreibungen und Begründungen ihrer Identität zu distanzieren oder befreien versuchen, unsichtbar. Allein affirmativen Sprecher_innenpositionen zu Religion wird Legitimität zugewiesen. Gar Religionskritik wird nur dann zugelassen, wenn sie sich auf bspw. das Judentum bezieht (siehe Eurer Vortrag von Nui* zum Judentum). Beides ist aus unserer Sicht weder „solidarisch“ noch „machtkritisch“. Es betreibt ein Othering und eine Marginalisierung von Betroffenen, die sich von religiösen Fremd- und Selbstzuschreibungen distanzieren. Das bedeutet für uns, den Ausschluss eines Teils realexistierendender queerer Praxis.

Zudem stellt ihr unseren Vortrag in Zusammenhang mit Übergriffen gegen „jüdische“ und „muslimisch“ Studierende. Ihr reiht das „jüdisch“ neben das „muslimisch“ ein, als hätte beides dieselbe historisch-materielle Grundlage. Damit suggeriert ihr, auch gegenüber Antisemitismus sensibel zu sein. Im selben Atemzug ladet ihr aber einen Vortrag aus, der sich u.a. explizit gegen Antisemitismus wendet und mit antisemitischen Tendenzen im Islamischen Feminismus auseinandersetzt. Da ihr das Problem des Antisemitismus in euren Bedenken einfach so mitnehmt, ohne genauer darauf einzugehen, erscheint es uns, als ob ihr die von euch adressierten Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens wenig ernst nehmt. Wenn wir Gewalt gegen religiöse Identitäten oder Subjekte problematisieren wollen, können wir nicht zur Rolle der Religion als Begründungszusammenhang und zu religiös motivierter Gewalt schweigen. Eine solche Auseinandersetzung kann Religion nicht nur im Allgemeinen adressieren, sondern muss sich auch konkret mit religiös begründetem Handeln und Diskursen befassen. Anders formuliert: Wer den Terroranschlag von Halle verurteilt, sollte Vernichtungsphantasien, die immer wieder in Zusammenhang mit Antizionismus, dem BDS, Pinkwashing Israel usw. geäußert werden, ebenfalls nicht akzeptieren können. Auch dann, wenn diese von Communitys und Identitäten geäußert werden, mit denen man sich sonst an anderer Stelle solidarisch erklären möchte. Genau dieser Auseinandersetzung verweigert ihr euch, indem ihr uns ausladet.

Ihr schreibt, die Auseinandersetzung mit Religion und (Queer)Feminismus könne „spannend“ sein. Wir denken, sie ist angesichts der herrschenden materiellen Umstände nicht nur ganz „spannend“, sondern notwendig. Indem ihr unseren Vortrag absagt, verweigert ihr Euch einer Kritik an religiöser Unterdrückung im Islam und kündigt Solidarität mit Jüdinnen_Juden, PoC’s, Kurd_innen, Atheist_innen, säkulare Queers, Kommunist_innen uvm. auf, die genau gegen jene islamischen Systeme kämpfen, die ihr in Schutz nehmt.

Wenn ihr euch also von unserem Vortrag, den ihr noch nicht kennt, distanzieren wollt, argumentiert Eure Gründe so, dass sie auch für andere als politische Gründe erkennbar sind. Das solltet ihr nicht nur uns, sondern auch den Besucher_innen eurer Veranstaltung schuldig sein.

Viele Grüße
fantifa frankfurt

Aufruf: den »Tag der Deutschen Zukunft« in Worms 2020 verhindern! [— via AK069]

Zitat Gepostet am Aktualisiert am

– Was ist der TddZ? Der »Tag der Deutschen Zukunft« startete 2009 in Pinneberg und wurde als Demonstrationsreihe im Norden ausgelegt. Um sich untereinander weiter zu vernetzen weiteten sie ihren Demonstrationsorte aus, der Höhepunkt bildete Dortmund 2016 mit 1000 Teilnehmer*innen. Auch in der Region starteten sie mit dem »Tag der Heimattreue« in Bruchsal eine Demonstration […]

über Aufruf: den »Tag der Deutschen Zukunft« in Worms 2020 verhindern! — AK069

turn*left – 9 Jahre besser Scheitern…

Gepostet am

Unsere Genoss_innen von turn*left haben ihre Auflösung bekanntgegeben.

Wir werden Euch vermissen!

“ […] Vom Dissens zwischen politischen Gruppen und auch innerhalb unserer Gruppe auszugehen und auf dessen Grundlage eine gemeinsame politische Praxis zu finden, halten wir für unerlässlich. Doch darin sind wir letztlich in unserem Projekt gescheitert, den Dissens politisch produktiv zu organisieren und langfristig handlungsfähig zu machen. […]“ mehr lesen

https://turnleft.noblogs.orgtl

 

When they kick at our front door… Öffentliche Verabredung gegen Repression

Gepostet am Aktualisiert am

Nicht erst seit den Protesten gegen den G20 Gipfel setzt der
Repressionsapparat Hausdurchsuchungen in unseren Wohnungen und Zentren
als politisches Mittel gegen linke Strukturen und Aktivist*innen ein.
Dennoch vermehrt sich die Zahl der Razzien nach Großevents, so auch nach
dem G20-Gipfel in Hamburg.
Im Angesicht dieser Entwicklungen haben wir uns als Teile der radikalen
Linken aus dem Raum Frankfurt/Offenbach auf ein gemeinsames Vorgehen
verständigt. Wir halten es für wichtig, verbindliche Verabredungen
bereits im Voraus zu treffen, um im entsprechenden Fall möglichst
schnell und gemeinsam reagieren zu können. So wollen wir uns, sollte es
zu einer oder mehreren politisch motivierten Hausdurchsuchung(en) in
unseren Städten kommen, noch am selben Abend um 19 Uhr im Klapperfeld
treffen. Um das Entstehen von Gerüchten und Spekulationen zu verhindern,
geht es uns hier vor allem um den Austausch von Informationen. Auch
wollen wir hier über das ob und wie einer politischen Antwort beraten
werden. Diese Treffen sind offen für alle Genoss_innen und leben von der
zahlreichen Beteiligung!
Zusätzlich wollen wir versuchen schon während der Razzia, sollte uns die
Adresse bekannt sein, vor Ort zu sein und unsere Unterstützung zu
zeigen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass es möglich ist, Druck
auszuüben, die repressiven Maßnahmen zu verkürzen und die Arbeit der
Behörden zu erschweren. Wenn ihr von Hausdurchsuchungen betroffen seid,
sagt Unterstützer_innen Bescheid, die eine Uhrzeit und einen Anlaufpunkt
raushauen können. Bitte handelt bei Veröffentlichungen
verantwortungsvoll: keine Namen, keine Strukturen, keine Hausnummern.

Wir laden daher alle Gruppen und Einzelpersonen, die sich in gleicher
Weise betroffen fühlen, ein, sich dieser Verabredung anzuschließen und
abends um 19 Uhr ins Klapperfeld zu kommen.
Gemeinsam gegen Repression – Solidarität ist eine Waffe!

Blame the System, not the Victim!

Gepostet am Aktualisiert am

barabend flyer

Redebeitrag anlässlich der Kundgebung gegen sexuelle Belästigung, Sexismus und Ausnutzung von Machtgefällen am 17. Januar 2018 (Goethe Uni Frankfurt/Main)

Wenn sexistische Übergriffe oder sexualisierte Gewalt öffentlich werden, folgt häufig ein öffentlicher Schock, verbunden mit einem großen Aufschrei. Auch in den letzten Jahren, Monaten und Wochen – im Zuge der #metoo Kampagne oder aber auch auf dem Campus – schien die Öffentlichkeit von der Drastik und Gewaltförmigkeit des herrschenden Sexismus‘ überrascht. [mehr lesen]

Selbstverständnis fantifa.frankfurt (01/2018)

Gepostet am Aktualisiert am

rote fahne

∙ queer ∙ pervers ∙ arbeitsscheu∙

Der nachfolgende Text stellt eine Zusammenfassung unseres fortlaufenden Diskussionsprozesses der letzten Jahre dar. Anspruch auf Konsistenz oder Abgeschlossenheit erhebt er nicht – vielmehr möchten wir darin einige, uns wichtige, Positionen wiedergeben. Diese sind Ergebnisse unserer gesellschaftlichen Analyse, Ausgangspunkte unserer Organisierungsform und Inhalte unserer queerfeministischen, antifaschistischen Politik. Für uns ist es ein Teil queerer Interventionen, Haltungen darzustellen, die nicht fest und unveränderlich, sondern vielmehr offen, teilweise vielleicht widersprüchlich und wandelbar sind – ebenso, wie die Gesellschaft auch. Wir erheben daher an diesen Text nicht die Anforderung der Abgeschlossen- oder Vollständigkeit. Unser Selbstverständnis folgt daher immer den sich wandelnden konkreten historisch-materiellen Bedingungen. [mehr lesen]