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15965815_1840621636209448_1461711861536084791_nMake racists afraid again! Kampagne gegen Naziterror und Rassismus

Wir unterstützen die Kamapgen von AUF (Antifa United Frankfurt)

Die letzten Jahre waren geprägt von einem Erstarken rassistischer, antisemitischer und sexistischer Bewegungen und Gewalt in Deutschland. Zu Beginn beinahe nur von PEGIDA und AfD propagierte Ressentiments finden immer mehr Anklang in der gesamten Gesellschaft und werden, aufgegriffen durch Politiker*innen, zunehmend Teil des politischen Diskurses. Das führt dazu, dass sich strukturierte (neu)rechte Gruppierungen immer mehr in Sicherheit wähnen und ihr Gedankengut durch Angriffe, Hetze, etc. ungehemmt ausleben. Als bisheriger negativer „Höhepunkt“ dieser Entwicklung in Frankfurt ist der Angriff auf das selbstverwaltete Project Shelter, welches bis jetzt auch in der Zivilgesellschaft als antirassistische Initiative viel Zuspruch erhielt,  zu sehen, . Bei dem Angriff auf das Café in der Bergerstrasse 307 wurde nicht „nur“ eine Scheibe eingeschlagen und Teerfarbe versprüht. Vielmehr hinterließen die Nazis auch ein Bekenner- und Drohschreiben welches sich gegen Genoss*innen im Allgemeinen richtet. Der Vorfall steht am Ende einer Kette von Versäumnissen von linksradikalen Strukturen entsprechend auf Naziaktivitäten in und um Frankfurt in den letzten Jahren zu reagieren. So wurde auch das Denkmal für die in der Progromnacht 1938 niedergebrannte Synagoge in Rödelheim mit antisemitischen Inhalten besprüht und bekannte Nazis wie Marco Vogelsberger und Aktivisten des „Dritten Wegs“ beteiligten sich an der antifeministischen, trans* und homofeindlichen „Demo für alle“ in Wiesbaden. Auch zwei nicht aufgeklärte Anschläge auf Roma im letzten Jahr, denen eine sowieso schon antiziganistische Stimmung zugrunde liegt, lassen sich in diese Liste mit einreihen.

Diese Entwicklung ist das Ergebnis des nach rechts abgedrifteten Diskurses um Flucht und Migration in Deutschland und Europa. Es ist der radikalen Linken (trotz vieler wegweisender Initiativen wie z.B. Project Shelter)  nicht gelungen eigene Positionen zu stärken und einzubringen, dies zeigt die fehlenden Reaktion und Perspektiven nach dem Angriff auf Project Shelter deutlich. Obwohl bürgerlichen Parteien wie Grüne, SPD und CDU/CSU stets betont rechte Entwicklungen und Übergriffe bekämpfen zu wollen, stehen doch populistische Stimmungsmache ganz oben auf der Agenda der Regierenden. Wie jüngst nach dem Anschlag von Berlin danach der Ruf nach mehr Überwachung, mehr Abschiebungen und erhöhter Druck auf Drittstaaten bei der „Rücknahme“ von Geflüchteten laut. Die Verschärfungen des Asylrechts 2016 und die folgenden Sammelabschiebungen in den Sudan oder nach Afghanistan stehen in einer Reihe mit den rassistischen Forderungen von AfD und Co.

Im Januar 2016 wurde in Büdingen ein Fackelmarsch der NPD angemeldet, an dem sich viele namenhafte Nazis beteiligten. Auch Aktionen bei der Anti TTIP Demonstration im September oder der Pro Bargeld Demonstration im Oktober zeigten sich Nazis des selbsternannten „Antikapitalistischen Kollektivs“ offen. Diese Aufzählung ist keinesfalls vollständig, aber zeigt einige bedrohliche Beispiele wie die Rechten mittlerweile keinen Halt mehr vor Städten mit einer eigentlich lebendigen Gegenkultur wie Frankfurt machen. Das Fehlen eines gesellschaftlichen Aufschreis aber auch einer linksradikalen Antwort hat dazu geführt, dass organisierte Nazigruppen sich sicher genug fühlen Aktionen wie bei der TTIP Demo durchzuführen aber auch antirassistische Initiativen wie Project Shelter anzugreifen. Diese Entwicklung ist eine Deutschlandweite und Europaweite. Die Zahl der rassistischen Angriffe auf Geflüchtete, Unterstützer*innen oder Unterkünfte ist in diesem Jahr noch einmal gestiegen, auf über 900 registrierte Vorfälle bis Dezember 2016. Die Enttarnung des NSU 2011 hat keinesfalls zu einer eindeutigen Positionierung gegen Rechts geführt. Stattdessen gibt es wieder Hetzjagden auf Geflüchtete wie in Bautzen oder Arnsdorf. Diese sogenannten „Vollstrecker“ einer neoliberale Logik des Ausschluss sehen sich in direkter Tradition des Nationalsozialismus. Sich offen zu rechtsextremen Inhalten bekennen ist keinesfalls auf das Internet begrenzt und Bedarf endlich einer Reaktion auf der Straße.

Für uns ist klar, dass die jetzige Entwicklung entschieden bekämpft werden muss, es gilt Solidarität von unten zu organisieren und nicht den völkischen Gruppen um AfD und Co. die Deutungshoheit zu überlassen. Es geht uns darum endlich zum Gegenschlag zu kommen und rechte Gruppen aus ihrer Deckung zu holen. Der Staat und seine Institutionen, welcher sich auch im Zuge des Bundestagswahlauftakts wieder ganz in rassistischen Diskursen und Gesetzesverschärfungen übt, anstatt rechten Terror zu bekämpfen, gilt es als Steigbügelhalter von Nazis im ganzen Land zu benennen und anzugreifen. So erging sich die Polizei an Silvester dieses Jahres in Köln ganz offen in rassistischen Kategorisierungen, als sie eine „Zwei-Tür-Politik“ bei den Feierlichkeiten auf der Domplatte praktizierte. Die „Nafris“ (sogenannte „nordafrikanische Intensivtäter“ im rassistischen Polizeijargon) oder per Polizeidefinition andere nicht weiße „Gefährder“ auf der einen Seite, auf der anderen Seite die lustige, weiße, deutsche Feiermenge, „geschützt“ durch eine Bullenkette. Auch liberale und vermeintliche Linke lobten die Kölner Polizei für ihr rassistisches Vorgehen. Die Wochenzeitung die ZEIT fragte mit gespielter Naivität: „Welche moralische Verpflichtung sollten die Bürger eines Staates haben, den Bürgern anderer Staaten zu helfen, wenn sie damit gleichzeitig Gefahren importieren?“. Die Hoffnung durch diese offen gezeigte, inakzeptable Praxis eine grundlegende Diskussion über racial profiling oder institutionellen Rassismus anzustoßen wird enttäuscht, denn ein nicht allzu kleiner Teil der deutschen Mehrheitsgesellschaft befürwortet offensichtlich wieder völkische Maßnahmen, welche ihrer Meinung nach den vermeintlichen Erhalt der Nation bezwecken.

Jetzt ist es an der Zeit, dass sowohl organisierte als auch nicht organisierte Antifaschist*innen sich neu vernetzen und gemeinsam Nazis in Frankfurt, Hessen und deutschlandweit in die Schranken weisen! Deshalb rufen wir auf, am 25.02 entschlossen und kämpferisch auf die Straße zu gehen, um uns aber auch alle anderen Menschen in der Gesellschaft daran zu erinnern, dass Rechte und deren Anhängsel eine Gefahr nicht nur für die Betroffenen, sondern für die gesamte Gesellschaft sind und sie auf allen Ebenen bekämpft werden müssen!

Um dem Titel der Kampagne “make racists afraid again“ gerecht zu werden, rufen wir dazu auf, aktiv zu werden. Wir freuen uns über jeden Nazi der sich in seinem Umfeld geoutet wird, jede AfD Veranstaltung die nicht stattfinden kann und jede Rassistin die sich nicht mehr in ihre Stammkneipe traut. Sie alle haben Namen und Adressen, fühlen sich sicher in ihrem Umfeld und jeder und jede ist für ihr Handeln zur Verantwortung zu ziehen.

Als Antifa United werden wir im Rahmen der Kampagne einige inhaltliche Veranstaltungen, Aktionen sowie zum Höhepunkt eine Antifa Demo am 25. Februar organisieren. Infos dazu sind unter antifa-united.com zu finden.

Zeigt den Rassist*innen, dass sie in Frankfurt und Umland nichts zu suchen haben!

Make racists afraid again!

 

Sexismus in der linken Szene
(Teil 1)

Im Folgenden wollen wir einige, unserer Haltung nach, sexistische und reaktionäre Vorkommnisse innerhalb der linken Szene (u.a. in Frankfurt am Main) aufgreifen.

Uns geht es hierbei nicht um einen moralischen Vorwurf, die Erzeugung schlechten Gewissen oder eine pädagogische Belehrung. Im Gegenteil: Wir wollen, dass dieser Diskurs politisch (!) ernstgenommen wird und nicht als persönlicher Angriff oder persönliche Betroffenheit gewertet wird. Uns geht es also darum, politisch sichtbar zu machen, dass Sexismus in verschiedenen Formen – als Witz, als subtiler Kommentar, als bestimmtes maskulines Männer*ideal, als Mansplaining,[1] als körperliche Performance uvm. – auch und immer wieder in der linken Szene auftaucht. Die linke Szene stellt hierbei leider nicht immer einen emanzipatorischen, anderen – wenn es den überhaupt geben kann – Ort zur bürgerlichen Gesellschaft dar. Wir wollen hiermit auch keine Generalisierung an alle Menschen der Szene betreiben, gleichzeitig können wir die Vorkommnisse aber auch nicht als Ausnahmen darstellen, da sie dafür leider viel zu häufig stattfinden und – und das verwundert uns – oft keine politischen Konsequenzen gezogen werden.

„ACAB“

Bastard soll als Beleidigung gegenüber Polizist*innen offenkundig ausdrücken, dass sie minderwertig sind. Selbstverständlich geben Polizist*innen und besonders deren Struktur tagtäglich legitimen Anlass, sie zu beleidigen. Aber warum ist „Bastard“ eine Beleidigung? Und warum ist es DIE Beleidigung der linken Szene? Der Ausspruch ACAB („All cops are bastards“) wurde innerhalb der Linke schon oft kritisiert. Umso mehr wundert es uns, dass er sich (immer noch) großer Beliebtheit erfreut: Sowohl in Form von bunten Luftballons (z.B. bei einer Soliparty im KoZ), im Mosaik an der Bar im Klapperfeld, als Ausruf bei Demos oder anderen Aktionen oder als gängige Beleidigung gegenüber Polizist*innen auf Facebook oder in linken Texten.
Was heißt das eigentlich, Bastard?
Bastard ist eine Bezeichnung für ein uneheliches Kind. Der Begriff war lange Zeit negativ konnotiert, was mit der Verwendung als Beleidigung gegen Polizist*innen bestärkt und erhalten wird. Eine Frau*, die ein Kind von einem Mann* bekam, der nicht ihr Ehemann* war, galt viele Jahrhunderte lang als Schlampe (negativ gemeint), als ehrenlos, als hinterlistig, untreu usw.; das fasst z.B. Schiller schon für das 18. Jahrhundert zusammen: „der thron von England ist durch einen bastard entweiht, der Briten edelherzig volk durch eine listge gauklerin betrogen.“[2]
Zusätzlich bezeichnete der Begriff immer auch eine sog. „Mischform“, etwas „unreines“, was sich in dieser Verwendung ebenso seit dem 18. und 19. Jahrhundert findet. So hielten die Brüder Grimm fest, dass „[…] bastart überhaupt auf gemischte und unechte sachen anwendung findet“[3] Die negativen Konnotation von unehelichen Kindern als „unrein“, schrieb sich in der deutschen Geschichte fort: So wurden nach dem 1. Weltkrieg Kinder von sog. einheimischen Frauen*, meist weißen Frauen* und männlichen Soldaten der französischen Kolonien in Afrika, von denen einige das Rheinland eingenommen hatten, als „Rheinlandbastarde“ bezeichnet.[4] Diese Kinder und ihre Mütter* waren starken Diskriminierungen ausgesetzt.
Was die materielle Wirkung der negativen Konnotation von sog. „Unreinheit“ und „Gemischtheit“ von Menschen betrifft, zeigte sich im deutschen Nationalsozialismus: Hier wurden vor allem Kinder jüdischer Eltern als „unreine Bastarde“ stigmatisiert, sowie Kinder von Sexarbeiter*innen und unverheirateten Frauen*, Kinder von nicht-deutschen Frauen, Kinder mit sog. Behinderungen und nicht-weiße Kinder. All diejenigen, die im NS als Bastard beschimpft wurden, wurden gedemütigt, misshandelt und in aller rassistischsten Konsequenz vernichtet.
Der Begriff bezieht sich neben der rassistisch subjektivierenden Zuschreibung auch auf einen Aspekt, der aus einer linken Klassenperspektive eher bekämpft als befördert werden muss. Denn ein Bastard war immer auch ein Kind, welches aus einem sog. „Mischverhältnis“, was den Klassenstandpunkt betrifft, entsprang. So wurde bspw. ein Kind eines adeligen Mannes* und einer proletarischen oder bäuerlichen Frau* als Bastard bezeichnet. Es war noch Ende des 20. Jahrhunderts undenkbar, ein Kind aus einem solche sog. „Mischverhältnis“ innerhalb des Adels oder des Bürgertums zu akzeptieren. Sie waren aus diesen Kreisen immer ausgeschlossen.
Der Begriff ist augenscheinlich zudem, in seiner Verwendung als Beleidigung, ein (hetero)sexistischer und in sexueller Hinsicht reaktionärer Begriff. Wenn es eine Beleidigung ist, dass Du das Kind unverheirateter Eltern bist oder wenn Deine unverheiratete Mutter mit dem Begriff Schlampe gedemütigt werden soll, wenn sie Dich „ohne Mann“ zur Welt bringt oder Deine Eltern verschiedene Staatsbürger*innenschaften haben, dann ist das schlichtweg reaktionär, antifeministisch und nicht links. Denn wer kann – außer aus guten Gründen des Aufenthaltsstatus oder taktischen Gründen, die auf die Abschaffung derselben hinzielen – innerhalb der Linken tatsächlich die Ehe verteidigen? Einen „Bund für das Leben“ vor Staat und Kirche zu schließen heißt nicht nur, die eigene reaktionäre Spießigkeit festzuzurren, sondern auch, der biopolitischen Regulierung der eigenen Lust, des Begehrens und der Identität durch Staat und Kirche nicht nur mehr oder weniger freiwillig[5] zuzustimmen, sondern auch noch zu bejaen.
Wer kann also vor diesem Hintergrund – und hierfür gibt es schlichtweg niemals Gründe – tatsächlich einen Begriff wie „Bastard“ benutzen, der die rassistische und sexistische Ideologie von Reinheit – sexuell, körperlich und politisch – verteidigt?
So ist es nicht verwunderlich, dass ACAB auch unter (Autonomen) Nationalist*innen und weiteren völkischen Gegner*innen des deutschen Staates  verbreitet ist!

Bei unmittelbaren Versuchen, auf die sexistische und reaktionäre Bedeutung dieses Ausspruchs hinzuweisen, reagierten sogenannte Genoss*innen oft verteidigend oder abwehrend. Abstruse Argumentationen, wie bspw. man habe es hier mit einer „linken Tradition“ zu tun, durch die schon lange viele Linke zusammen gefunden hätten oder der Ausspruch wäre nun mal überall/international zu verstehen und/oder das Wort „Bastard“ stelle doch einfach nur eine neutrale Beleidigung dar….
Folgt man dieser Logik, handelt sich hier anscheinend um einen linken Konsens, der nicht gebrochen werden soll. Ein linker Konsens, den man Sexismus nennen muss, der leider tatsächlich überall zu verstehen ist. Oder warum ist hier die so oft hochgehaltene, vermeintliche Begriffsarbeit plötzlich nicht mehr wichtig?
Es geht hier also um eine weitreichendere Aussage, als möglicherweise oft angenommen wird. Falls eine Linke emanzipatorisch sein will – also ihrem Begriff nach überhaupt links sein will und im besten Falle queer – dann muss klar sein, dass solche Aussagen zum einen reaktionären Schwachsinn reproduzieren und zum noch produktiv für deren Weiterbestehen sorgen, statt religiöse und völkische Moral abzuschaffen und für queere Lustfreund*innenschaft zu kämpfen: „shluss mit der guten und der shlechten frau. diese trennung hat uns zu oft guten sex versaut“ (Sookee).

„Hure“, „Hurensohn“, „Bitch“, „Schlampe“

Aus ähnlichen Gründen reaktionär sind Begriffe wie Schlampe, Bitch, Hurensohn oder Hure, wenn sie als Beleidigung fungieren. Diese Begriffe, genauso wie ACAB, wollen wir nicht an sich ablehnen oder verbieten, stattdessen lehnen wir ihre Verwendung als Beleidigung statt als positive Selbstbezeichnung oder als reflektierte Dekonstruktion ab! Es geht also nicht einfach nur darum, diese Begriffe grundsätzlich einer sprachlichen Verwendung zu entziehen, sondern einen kritischen Umgang mit ihnen zu finden, der es ermöglicht, gesellschaftliche Machtverhältnisse offen zu legen und anzugreifen, die sich u.a. in diesen negativ verwendeten Begriffen manifestieren. Eine Praxis der Aneignung und Umdeutung solcher Begrifflichkeiten ist daher je nach Kontext und Subjektposition ein politisch notwendiger Akt.

„Hurensohn“

U.a. bei einer Soliparty am im Sommer 2016 im Klapperfeld schrie ein Typ laut, so dass es alle Anwesenden auf der Tanzfläche hören mussten, „Hurensohn“. Es wird darauf angesprochen, was der scheiß solle und fühlt sich offensichtlich provoziert und/oder ist genervt.
Parallel zu dieser Situation lief in der Sushibar bestimmter Rap, der selbstverständlich mit diesen Begriffen operierte, ohne sie zu kritisieren, zu zerstören oder positiv anzueignen,[6] was diese Intervention von außen betrachtet fast zynisch wirken ließ.
Von dem Typ und seinen zwei „Genossen“ wurde denjenigen Personen, die sie auf das „Hurensohn“ ansprachen entgegnet, sie sollten sich mal „entspannen“ und nicht so hysterisch sein. Abgesehen davon, dass die Entgegnung nicht hysterisch sondern aggressiv war, ist dies ein lächerlicher Versuch, Frauen*, die wütend sind und dies nicht auf liebliche oder freundliche Weise zum Ausdruck bringen, in eine Klischee-Rolle von Frau*-Sein zurückzudrängen. Wenn Frauen* in ihrem Klischeebild nicht rational und demnach nicht an öffentlichen politischen Debatten teilhaben können, dann muss ihre Aneignung und ihre Behauptung als rationale, politische Personen als bspw. hysterisch pathologisiert werden. Daher war nicht nur der Ausruf „Hurensohn“ reaktionär, sondern auch die Reaktion auf die Entgegnung darauf. Denn diese zeigte, dass es scheinbar klar vorherrschende Rollenbilder innerhalb der Linken gibt, innerhalb welcher Frauen* sich „nicht so aufzuregen“ haben und lieber schön ihre Klappe halten mögen. Hier wurden sexistische Zuschreibungen reproduziert. Radikaler Feminismus, der sich auch in der Praxis behauptet, wird als Spielverderber*in dargestellt.
Derselbe Typ, der Hysterie unterstellte, bezeichnete auf einem Barabend von uns einen schwarzen Typen, den wir aufgrund eines sexistischen Vorfalls seinerseits aus dem Klapperfeld schmissen mit dem N-Wort. Auch dieser vermeintliche Genosse musste daraufhin gehen.
An dieser Stelle fragen wir uns wirklich, warum so etwas innerhalb der Szene geduldet wird und keine ersichtlichen Konsequenzen hat?
Wir wollen keinen moralisch besseren Standpunkt beziehen. Grundsätzlich geht es hier in keinster Weise um Moral als bürgerliche Kategorie des „besser Wissens“ und „Belehrens“.  Es geht um eine politische Kritik. Eine Kritik daran, dass eine Linke, die heterosexistische Performances in ihren Kreisen duldet den Anspruch links zu sein nicht nur völlig verfehlt: sie ist es dann, wenn sie Sexist*innen duldet, schlichtweg nicht, sondern reaktionär.

„We want and must say that we are all housewives, we are all prostitutes, and we are all gay, because as long as we accept these divisions, and think that we are something better […] we accept the logic of the master. (Silvia Federici)

 

[1] Mansplaining ist ein Begriff, der auf die Schriftstellerin Rebecca Solnit zurückgeht. Er beschreibt die Momente, in denen Männern* Frauen* die Welt erklären, ungeachtet dessen, ob sie – die Männer* –  Ahnung von dem jeweiligen Thema haben oder nicht.
[2] Schiller. In: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. Bd. 1, Sp. 1150 bis 1151.
[4] Vgl.: http://www.zeit.de/1980/42/keiner-hat-hoeren-wollen.
[5] Klar ist, dass in kapitalistischen Verhältnissen, die uns in Gänze subjektivieren, kaum irgendetwas gänzlich freiwillig ist, im Verhältnis jedoch zu Staaten, in denen die Zwangsehe Millionen junger Mädchen in ein grausames Leben knechtet, stellt sich die Frage, wie sich hierzulande Menschen ohne offenkundigen Zwang und Gewalt, zur Ehe entschließen.
[6] Wir meinen hier, dass nicht jede*r Musiker*in, die solche Begriffe verwendet an sich reaktionär ist, sondern dass es auf den Kontext, die ästhetische und politische Verwendung ankommt. So gibt es bspw. bei Fler, Bushido & Co kein Spielraum für progressive „Huren“, während Brooke Candy, Zugezogen Maskulin, Sookee oder Niki Minaj solche Begriffe in ganz unterschiedlicher Weise dekonstruieren oder neu verwenden.

 

30. Januar in Büdingen: Naziaufmarsch verhindern!
Rechten Kommunalwahlkampf stören!

Aufruf von Antifa Kritik und Klassenkampf: http://akkffm.blogsport.de/2016/01/21/30-januar-in-buedingen-naziaufmarsch-verhindern/

„Nicht jeder erbitterte Kleinbürger könnte ein Hitler werden, aber ein Stückchen Hitler steckt in jedem von ihnen.“ (Trotzki)
[…] Besonders wütend machen uns die momentanen Versuche der Rassist*innen, den Feminismus für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Ausgerechnet diejenigen Leute, die sich ansonsten einen Dreck um die Realität der patriarchalen Verhältnisse in diesem Land scheren und denen die alltägliche von „echten deutschen Männern“ ausgeübte sexualisierte Gewalt gegen Frauen* und ihre strukturelle materielle Benachteiligung nicht mal ein Schulterzucken Wert ist, wollen sich nun angesichts der Ereignisse an Silvester in Köln zu Verteidiger*innen von Frauen*rechten aufschwingen. Die geschlechtliche und die internationale Arbeitsteilung sind jedoch miteinander verbundene gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse und bilden eine Spaltungslinie innerhalb des Proletariats. Feminismus war schon immer ein Teil des Kampfes für die umfassende menschliche Emanzipation und somit gegen alle Formen von Herrschaft gerichtet. Feminismus und Antirassismus gehören untrennbar zusammen.
Wer hingegen sexistische Gewalt nur anprangert, wenn sie von Menschen aus vermeintlich „anderen Kulturkreisen“ ausgeübt wird, ist nicht feministisch, sondern betreibt rassistische Hetze! […]

 

Geschlechtergrenzen überwinden – Deutschland abschaffen!

Rede zur Demo gegen die deutschen Einheitsfeierlichkeiten
am 2. & 3. Osmash p.ktober 2015 (von: fantifa.frankfurt)

„Grenzen überwinden“. Unter diesem Motto lädt die Bundesregierung zum Volksfest der Nation ein – doch um welche und wessen Grenzen geht es eigentlich? […] mehr

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